Erlebe den Pfingstweg: Andreas berichtet, wie sein Bruder zum Hirten wurde
Achtes Lied der CD "Erlebe den Pfingstweg"
Audio-Plattformen
Biblischer Hintergrund
Dieses Lied verbindet zwei biblische Linien aus dem Leben des Petrus: seine Namensgebung und Berufung in Johannes 1,40-42 sowie Matthäus 16,16-18 und seine Wiederherstellung am See Tiberias in Johannes 21,15-19. Dort fragt der auferstandene Jesus Petrus dreimal, ob er ihn liebt, und antwortet darauf mit dem Auftrag, seine Lämmer zu weiden und seine Schafe zu hüten. Im Lied wird dabei auch die oft beachtete sprachliche Nuance des griechischen Textes aufgenommen: Jesus fragt zunächst mit dem Wortfeld der hingebenden Liebe, während Petrus mit dem Wortfeld der freundschaftlichen Liebe antwortet; beim dritten Mal kommt Jesus ihm in dieser Formulierung entgegen. Diese Deutung wird häufig hervorgehoben, auch wenn ihre genaue Gewichtung unter Auslegern unterschiedlich beurteilt wird. Die Perspektive des Andreas ist dabei eine poetische Erzählform: Andreas wird in dieser Szene nicht ausdrücklich als Sprecher genannt, doch als Bruder des Simon Petrus ist er im Lied der staunende Zeuge dafür, wie aus Schuld neue Berufung wird.
Strophe 1
Ich sah den Tag, als Jesus sagte: „Simon, du sollst nun Petrus sein. Wie Fels sollst du für andre stehen, auf dir bau ich, mein Gemeindestein!“ Mein Bruder strahlte voller Hoffnung, sein Herz war mutig, stark, bereit. Er wollte immer vorwärts gehen, für seinen Herrn zu jeder Zeit.
Strophe 2
Doch dann kam jene dunkle Stunde, als Angst sein Herz gefangen nahm. Dreimal hat er den Herrn verleugnet, ertränkt in Schuld und tiefer Scham. Als dann der Hahn im Morgen krähte, traf Reue tief sein wundes Herz. Mein Bruder weinte bittre Tränen, gebrochen unter tiefem Schmerz.
Strophe 3
Er sprach zu mir: „Es ist vorüber, ich hab versagt vor meinem Herrn. Der Meister wird mich nie mehr brauchen, nun bin ich seiner Gnade fern.“ Doch als wir dort am Feuer saßen und Jesus ihn beim Namen rief, da fragte er ihn dreimal leise, und jede Frage ging so tief:
Strophe 4
„Simon Petrus, liebst du mich von Herzen, mit einer Liebe tief und rein?“ Mein Bruder sprach mit leiser Stimme: „Herr, du weißt: Dein Freund will ich nur sein.“ Er sprach nicht von der großen Liebe, nur Freundestreue, die er kennt. Doch Jesus sprach: „Weide meine Schafe!“ – er nahm die Glut, die leise brennt.
Strophe 5
Noch einmal fragte ihn der Meister, so wie zuvor, so tief, so klar. Mein Bruder blieb bei jener Antwort, die klein und doch aufrichtig war. Und wieder sprach der Herr: „Weide meine Schafe!“ Zum dritten Mal fragt’ er sodann mit Simons eignem Wort für Liebe – mein Bruder nur noch weinen kann.
Strophe 6
Da sprach der Herr zu ihm voll Liebe: „So weide, was mir angehört. Weide meine Lämmer, führ die Herde, sei nun mein Hirte, treu bewährt.“
Strophe 7
Da sah ich meinen Bruder stehen, vom Herrn erneut in Dienst gestellt. Der einst versank in Angst und Zweifeln, wird nun zum Hirten auserwählt. Aus dem, der fiel in seiner Schwäche, ward einer, der die Herde führt. Ich sah, wie Gnade Schuld verwandelt, wenn Gottes Liebe Herzen rührt.
Outro
Und da verstand ich voller Staunen: Wer fällt, ist nicht für immer klein. Denn wen der Herr aufs Neu beruft, darf seiner Herde Hirte sein.
Die biblische Geschichte
Andreas war der Bruder des Simon Petrus und selbst einer der ersten Jünger Jesu (Johannes 1,40-42). Schon früh erhält Simon von Jesus einen neuen Namen: Kephas beziehungsweise Petrus, der auf den Felsen verweist. Später bekennt Petrus Jesus als den Christus, den Sohn des lebendigen Gottes, und Jesus spricht davon, auf diesem Felsen seine Gemeinde zu bauen (Matthäus 16,16-18). Das Lied greift diese frühe Berufung als Ausgangspunkt auf, um den Weg des Petrus bis zu seiner Wiederherstellung nachzuzeichnen.
In der Nacht der Verhaftung Jesu verleugnet Petrus seinen Herrn dreimal, noch bevor der Hahn kräht (Johannes 18,15-18.25-27; Lukas 22,54-62). Nach der Auferstehung begegnet Jesus den Jüngern am See Tiberias. Dort fragt er Petrus dreimal: „Liebst du mich?“ Auf jede Antwort folgt ein neuer Auftrag: „Weide meine Lämmer“, „Hüte meine Schafe“, „Weide meine Schafe“ (Johannes 21,15-17). Viele Ausleger weisen darauf hin, dass der griechische Text bei den ersten beiden Fragen und Antworten unterschiedliche Wörter für Liebe verwendet und Jesus Petrus in der dritten Frage sprachlich entgegenkommt. Diese Nuance ist in vielen deutschen Übersetzungen nicht sichtbar, wird im Lied aber bewusst aufgenommen. So wird aus dem Gefallenen kein ausgeschlossener Jünger, sondern ein neu beauftragter Hirte. Genau diese Wiederherstellung und Sendung stehen im Mittelpunkt des Liedes.